720 Euro im Jahr. Das ist die Zahl, an der die meisten hängenbleiben, und ich verstehe das. Ich habe selbst zweimal überlegt, bevor ich die American Express Platinum Card beantragt habe. American Express rechnet dir auf der eigenen Seite vor, dass die Karte jährliche Vorteile von über 2.280 Euro bringt. Klingt nach einem Selbstläufer, oder?
Ist es aber nicht, denn in dieser Zahl stecken 650 Euro, die du wirklich als Guthaben aufs Konto bekommst, und rund 1.630 Euro, die nur dann etwas wert sind, wenn du sie auch abrufst. Ich zeige dir beide Zahlen nebeneinander, mit allen Fristen und den drei Stellen, an denen bei mir selbst schon Guthaben verfallen ist, und danach weißt du, ob sich die Karte für dich rechnet oder eben nicht.
- 650 Euro Guthaben pro Jahr für Reisen, SIXT, Restaurant und Shopping
- Priority Pass inklusive, Zugang zu über 1.550 Lounges weltweit
- Bis zu fünf Zusatzkarten inklusive
- Umfangreiches Versicherungspaket, Karte aus Metall
- 720 Euro im Jahr, alternativ 60 Euro im Monat
Was die American Express Platinum Card überhaupt ist
Die Platinum ist die zweithöchste Karte im deutschen Amex-Portfolio, über ihr steht nur noch die Centurion, die man nicht beantragen kann. Sie sammelt Membership Rewards® Punkte, und genau die machen sie für mich interessant: Diese Punkte lassen sich zu Airlines übertragen und dort in Prämienflüge tauschen. Wie das geht, habe ich in meinem Beitrag zu den Amex Transferpartnern aufgeschrieben.
Die Karte aus Metall
Die Platinum kommt als Metallkarte, und das ist der Punkt, den meine Community mit Abstand am häufigsten anspricht. Sie liegt schwerer in der Hand als eine Plastikkarte, beim Bezahlen fällt das auf, und ja, das macht schon was her. Ob dir das 720 Euro wert ist, ist trotzdem eine ganz andere Frage, und die beantworte ich weiter unten mit Zahlen und nicht mit Gefühl.
Für wen sie gedacht ist
Amex verkauft die Karte an Vielreisende, und das kommt schon hin: Sie lohnt sich, wenn du mehrmals im Jahr fliegst, unterwegs Hotels und Mietwagen buchst und regelmäßig essen gehst. Wenn du einmal im Jahr in den Urlaub fährst und sonst zu Hause bist, wird es dagegen eng, und weiter unten im Abschnitt zu den Nachteilen schreibe ich dir genau, wann du die Finger davon lassen solltest.
Die 2.280 Euro, mit denen Amex wirbt: was davon wirklich bei dir ankommt
Auf der offiziellen Seite steht ein Vorteilsrechner, der auf über 2.280 Euro jährliche Vorteile kommt, und gegen 720 Euro Gebühr sieht das erst mal nach einem klaren Plus aus. Der Haken steckt darin, woraus sich die Summe zusammensetzt, und das zeigt Amex nirgends als Tabelle. Also habe ich sie selbst aufgeschrieben:
| Position | Wert laut Amex | Bekommst du das als Geld? |
|---|---|---|
| Online-Reiseguthaben | 200 € | Ja, festes Guthaben |
| SIXT ride Fahrtguthaben | 200 € | Ja, festes Guthaben |
| Restaurantguthaben | 150 € | Ja, festes Guthaben |
| LODENFREY Shoppingguthaben | 100 € | Ja, festes Guthaben |
| Priority Pass | 918 € | Nein, das ist der Preis, den du sonst zahlen würdest |
| Fahrzeugupgrade | 240 € | Nein, nur bei Mietwagenbuchungen |
| Hotelguthaben | 200 € | Nein, gebunden an bestimmte Buchungen |
| Mietwagenvollkasko | 156 € | Nein, Versicherungswert |
| Sechs weitere Versicherungen | 116 € | Nein, Versicherungswert |
| Feste Guthaben | 650 € | Ja |
| Rechnerische Vorteile | 1.630 € | Nur bei Nutzung |
Quelle: Vorteilsrechner von American Express, Stand August 2026. Amex nennt das ausdrücklich unverbindliche Richtwerte. Die Beispielrechnung geht von zwei Hotelaufenthalten, zwei Reisenden, zwölf Mietwagentagen und zwei Reisen im Jahr aus.
Der mit Abstand größte Brocken in den 2.280 Euro ist der Priority Pass mit 918 Euro, und das ist eben kein Guthaben, sondern der Preis, den du für eine eigene Mitgliedschaft zahlen müsstest. Wenn du zweimal im Jahr fliegst und selten lange am Flughafen sitzt, bringt dir das ungefähr nichts. Wenn du dagegen jeden Monat unterwegs bist, hast du darüber die Jahresgebühr schon fast wieder drin.
Ob sich die Karte für dich lohnt, entscheidet sich praktisch an dieser einen Frage.
650 Euro Guthaben, und die Fristen, an denen sie verfallen
Das ist der Teil, den ich am wichtigsten finde, weil hier das meiste Geld liegenbleibt: Die vier Guthaben laufen nämlich nach drei ganz verschiedenen Fristen, und wer das nicht auf dem Schirm hat, verschenkt jedes Jahr locker einen dreistelligen Betrag.
| Guthaben | Höhe | Zyklus | Worauf du achten musst |
|---|---|---|---|
| Online-Reiseguthaben | 200 € | Mitgliedschaftsjahr | Läuft ab Kartenausstellung bis zum Jahrestag, nicht nach Kalenderjahr |
| SIXT ride | 200 € | Kalenderjahr | In acht Gutscheinen à 25 Euro, einmalige Registrierung nötig |
| Restaurantguthaben | 150 € | Kalenderjahr | Nur bei teilnehmenden Restaurants |
| LODENFREY | 100 € | Kalenderhalbjahr | Zweimal 50 Euro, nur bei LODENFREY, ungenutzt verfällt es zum 30. Juni |
Die drei Fallen, in die ich selbst getappt bin
Beim Reiseguthaben: Es ist nur über American Express Online Reisen einlösbar und der Mindestbuchungswert liegt bei 200 Euro. Du darfst damit auch für Familie oder Freunde buchen. Stornierst du die Reise, verfällt das eingelöste Guthaben ersatzlos.
Ich habe für genau dieses Problem einen kleinen Tracker gebaut, in den du deine Termine einträgst und der dir zeigt, was noch offen ist: alle Platinum-Guthaben im Blick behalten. Er kostet nichts und läuft in deinem Browser.
Was die Amex Platinum kostet
Die Jahresgebühr liegt bei 720 Euro, und wenn du lieber monatlich zahlst, sind es 60 Euro. Unterm Strich ist beides gleich teuer, die monatliche Zahlung fühlt sich nur kleiner an, weil du die Summe nie auf einen Schlag siehst.
Dazu kommen zwei Sachen, die gern untergehen: In Fremdwährung berechnet American Express ein Auslandseinsatzentgelt von 2 Prozent, und das gilt bei allen Amex Karten, und Bargeld am Automaten ist auch nicht billig. Für Reisen außerhalb der Eurozone brauchst du also sowieso noch eine zweite Karte im Portmonnaie, und für eine Karte, die als Reisekarte verkauft wird, finde ich das schon schwach.
85.000 Punkte oder 340 Euro? Die Entscheidung, die dir niemand erklärt
Hier wird es interessant, und das habe ich bei keinem anderen Anbieter sauber erklärt gefunden. American Express bietet den Willkommensbonus in zwei Varianten an, und du musst dich beim Antrag entscheiden. Ein Wechsel ist danach nicht mehr möglich.
Jetzt die Rechnung, die den Unterschied macht. 340 Euro für 85.000 Punkte sind 0,4 Cent pro Punkt. Meine eigene Faustregel lautet, dass ein Membership Rewards Punkt mindestens 1,5 Cent bringen sollte, wenn ich ihn in Meilen tausche. Bei einem guten Prämienflug in der Business Class komme ich regelmäßig auf 2 Cent und mehr.
Auf 85.000 Punkte gerechnet heißt das: Das Startguthaben bringt dir 340 Euro, dieselben Punkte in einem vernünftigen Prämienflug 1.275 Euro und mehr. Also grob der drei- bis vierfache Wert.
Die 340 Euro sind sicher und sofort da, während die 85.000 Punkte nur dann mehr bringen, wenn du sie auch gut einlöst. Wenn du dich mit Prämienflügen gar nicht beschäftigen willst oder in den nächsten zwei Jahren keine größere Reise vorhast, dann nimm das Startguthaben.
Rechne selbst nach, bevor du dich entscheidest: was deine Meilen wirklich wert sind.
Beide Varianten haben dieselbe Bedingung: Du darfst den Vertrag in den ersten zwölf Monaten nicht kündigen und das Kartenprodukt nicht wechseln, und Bargeldauszahlungen zählen nicht als Kartenumsatz. Die Bonusstufen ändern sich übrigens öfter, deshalb schaue ich hier jeden Monat nach und setze das Datum oben neu.
Der Lounge-Zugang, an dem alles hängt
Bei der Platinum ist der Priority Pass enthalten, und zwar der echte, nicht ein Rabatt darauf. Damit kommst du in über 1.550 Lounges weltweit.
Das ist der wichtigste Unterschied zur Amex Gold Card, und er wird ständig verwechselt. Bei der Gold ist kein Priority Pass dabei. Dort steht im Vorteilsrechner eine Position „Priority Pass-Ersparnis", die aber nur einen vergünstigten Zugang meint, keinen enthaltenen. Wer wegen der Lounges eine Amex will, braucht die Platinum.
Statusvorteile und Partner: was ohne Zutun dazukommt
Ein Teil der Leistungen läuft, ohne dass du etwas tun musst, und genau deshalb wird er übersehen. Mit der Platinum bekommst du Statusvorteile bei Hotel- und Mietwagenprogrammen, die du sonst über Nächte oder Mietwagentage erst erreichen müsstest. Für die Hotelketten heißt das in der Praxis Zimmer-Upgrades, späterer Check-out und Frühstück, je nach Programm unterschiedlich.
Allein das Fahrzeugupgrade setzt Amex mit 240 Euro im Jahr an, und da gilt dasselbe wie beim Priority Pass: Wer nie einen Mietwagen bucht, hat davon nichts, und wer zwölf Mietwagentage im Jahr zusammenbekommt, so wie in der Amex-Beispielrechnung, holt sich den Betrag tatsächlich zurück.
Dazu kommen wechselnde Partnervorteile, etwa Rabatte bei Condor-Flugbuchungen und Einladungen zu Veranstaltungen über American Express Experiences. Diese Vorteile ändern sich häufiger als die Guthaben, deshalb steht bei mir das Prüfdatum unter jedem Beitrag.
Mein Rat dazu: Rechne dir die Statusvorteile nicht schon ein, bevor du die Karte überhaupt hast. Sie sind ein schöner Zusatz, aber nichts, worauf du dich verlassen kannst. Rechne mit den 650 Euro festen Guthaben und mit dem Lounge-Zugang, alles andere kommt obendrauf!
Die Nachteile, über die selten jemand schreibt
Die Akzeptanz ist immer noch ein Thema
American Express wird in Deutschland längst nicht überall akzeptiert, und beim Bäcker, beim Arzt, in kleinen Läden und in vielen Restaurants brauchst du deshalb sowieso eine zweite Karte dabei. Das ist für mich kein Grund gegen die Platinum, aber du solltest es wissen, bevor du 720 Euro im Jahr ausgibst.
Zwei Prozent in Fremdwährung
Für eine Karte, die als Reisekarte verkauft wird, ist das teuer. Außerhalb der Eurozone zahlst du mit einer kostenlosen Alternative günstiger.
Guthaben, die du nicht abrufst, sind verlorenes Geld
Die 650 Euro klingen gut, kommen aber nicht von allein aufs Konto, und wer die Fristen aus der Tabelle oben nicht im Blick behält, landet schnell bei 300 oder 400 Euro, die er wirklich genutzt hat. Damit steht die Rechnung dann gegen dich.
Zwölf Monate Bindung wegen des Bonus
Kündigst du früher, entfällt der Willkommensbonus. Du zahlst also im ersten Jahr auf jeden Fall die volle Gebühr, wenn du den Bonus behalten willst.
Für wen sich die Platinum aus meiner Sicht nicht lohnt: Wenn du ein- bis zweimal im Jahr verreist, kein Auto mietest, selten essen gehst und dich mit Prämienflügen nicht befassen willst, dann holst du am Ende vielleicht 250 bis 400 Euro raus, und bei 720 Euro Gebühr zahlst du damit drauf. Schau dir in dem Fall lieber die Amex Gold an, die kostet 240 Euro und sammelt dieselben Punkte, und im großen Kartenvergleich stehen alle 15 Karten nebeneinander.
Zusatzkarten: bis zu fünf sind drin
Zur Platinum bekommst du bis zu fünf Zusatzkarten inklusive. Die Umsätze laufen über dasselbe Konto und sammeln mit, was praktisch ist, wenn ihr als Familie gemeinsam Punkte aufbaut.
Ein wichtiger Haken: Die Guthaben gelten nur für den Hauptkarteninhaber. Wenn dein Partner mit seiner Zusatzkarte im Restaurant zahlt, gibt es keine Gutschrift aus dem Restaurantguthaben. Das ist genau die Falle Nummer drei von oben, und sie kostet regelmäßig Geld.
Meine Erfahrung nach zwei Jahren
Ich habe die Karte seit zwei Jahren. Was sich für mich gerechnet hat, war nicht das, womit Amex wirbt. Es war der Lounge-Zugang auf Langstrecken mit Kind und das Reiseguthaben, das ich jedes Jahr zuverlässig abrufe. Was ich zweimal fast habe verfallen lassen, war das LODENFREY-Guthaben, weil der Halbjahreszyklus so leicht durchrutscht.
So beantragst du die Platinum Card
Alternativen zur Amex Platinum
Wenn dir 720 Euro zu viel sind, ist das kein Weltuntergang. Diese drei Karten decken jeweils einen Teil ab:
Anzeige. Alle drei Links sind Partnerlinks.
Einen vollständigen Überblick über alle Karten, die sich zum Meilensammeln eignen, findest du in meinem großen Kreditkarten-Vergleich, dort stehen 15 Karten mit Filtern und Vergleichstabelle nebeneinander.
Häufige Fragen zur Amex Platinum
Lohnt sich die Amex Platinum bei 720 Euro Jahresgebühr?
Was ist besser, 85.000 Punkte oder 340 Euro Startguthaben?
Ist der Priority Pass bei der Platinum wirklich enthalten?
Warum wurde mir mein Guthaben nicht gutgeschrieben?
Wann verfallen die Guthaben?
Wie viele Zusatzkarten sind inklusive?
Mein Fazit
Die Amex Platinum ist keine Karte, die sich von allein rechnet, sondern eine, die sich rechnet, wenn du sie auch wirklich benutzt. 650 Euro festes Guthaben stehen 720 Euro Gebühr gegenüber, und damit bist du noch nicht im Plus. Den Ausschlag gibt der Lounge-Zugang, und der bringt dir eben nur dann etwas, wenn du oft genug am Flughafen stehst.
Wenn du mehrmals im Jahr fliegst und bereit bist, dich einmal im Quartal zehn Minuten mit deinen Guthaben zu beschäftigen, dann ist sie für mich die stärkste Karte, die es hier bei uns gibt. Und wenn nicht, dann nimm die Gold und spar dir 480 Euro im Jahr!
Und wenn du erst mal wissen willst, was deine Punkte überhaupt wert sind, rechne es nach.
Stand: August 2026. Alle Angaben habe ich am 18.08.2026 auf den offiziellen Seiten von American Express geprüft. Gebühren, Guthaben und Willkommensboni ändern sich, bitte prüfe vor der Beantragung noch einmal die aktuellen Bedingungen. Keine Anlage- oder Finanzberatung.
Amex Gold Card
Miles & More Gold
Amex Green Card


