Stell dir vor, du steigst ins Flugzeug und biegst nach links ab. Während sich andere in die
Economy zwängen, liegst du flach, und bezahlt hast du den Flug mit deinen Wocheneinkäufen. Genau
dafür ist die American Express Platinum
Card gebaut. Sie kostet allerdings 720 € im Jahr, und das ist eine Zahl, bei der die
meisten erst einmal schlucken.
Statt dir zu erzählen, warum ich die Karte gut finde, habe ich nachgerechnet. Drei Profile,
drei Ergebnisse, und ein Kapitel darüber, für wen sie sich nicht lohnt.
Die kurze Antwort
Die 720 € Kartenentgelt stehen 650 € festen Guthaben gegenüber. Wer die
vollständig abruft, zahlt 70 € im Jahr und bekommt Lounge-Zugang, Hotelstatus und
Versicherungen obendrauf.
Wer sie nicht abruft, zahlt 720 € für ein Stück Metall. Die Karte belohnt niemanden
dafür, dass er sie besitzt, sondern dafür, dass er sie benutzt.
Was du im Jahr zurückbekommst
Vier Guthaben sind fest zugesagt und lassen sich auf den Euro genau beziffern. Sie sind die
Grundlage jeder Rechnung, die folgt:
| Guthaben | Höhe | Zyklus | Wie leicht abzurufen |
|---|---|---|---|
| Online-Reiseguthaben | 200 € | Mitgliedschaftsjahr | leicht, sobald du eine Reise über American Express Reisen buchst |
| SIXT ride Fahrtguthaben | 200 € | Kalenderjahr | mittel, kommt in acht Gutscheinen à 25 € |
| Restaurantguthaben | 150 € | Kalenderjahr | leicht, aber nur bei teilnehmenden Restaurants |
| LODENFREY Shoppingguthaben | 100 € | Kalenderhalbjahr | schwer, zweimal 50 € bei genau einem Händler, ab 01.10.2026 erst ab 200 € Bestellwert |
Quelle: American Express, Stand September 2026. Die Fristen unterscheiden
sich, das ist der häufigste Grund, warum Guthaben verfallen.
Dazu kommt der Willkommensbonus, aktuell bis zu 340 € Startguthaben oder
bis zu 85.000 Membership Rewards® Punkte, je nach Antragsweg. Der zählt aber nur einmal, im ersten
Jahr, und gehört deshalb in keine Rechnung, die ein normales Jahr abbilden soll.
Was ich bewusst nicht in Euro umrechne: Lounge-Zugang, Versicherungen und
Hotelstatus. Für jemanden, der zwölfmal im Jahr fliegt, sind die Lounges mehrere hundert Euro
wert. Für jemanden, der einmal nach Mallorca fliegt, sind sie fast nichts wert. Jede Zahl, die
ich dort einsetze, wäre geraten.
Drei Profile, durchgerechnet
Alle drei rechnen mit denselben Regeln: 720 € Entgelt, die Guthaben nur so weit, wie sie
realistisch abgerufen werden, und Membership Rewards Punkte mit 1,5 Cent
bewertet. Das ist mein unterer Ansatz für einen vernünftigen Prämienflug, bei Business Class auf
der Langstrecke komme ich regelmäßig auf 2 Cent und mehr.
Zweimal Urlaub im Jahr, sonst Alltag
Eine Familie, zwei Reisen im Jahr, 24.000 € im Jahr über die Karte. Die Reise wird über
American Express Reisen gebucht, der Flughafentransfer über SIXT, essen geht man regelmäßig.
LODENFREY passt nur einmal im Jahr.
Die Karte trägt sich, aber knapp. Dazu kommen Lounge-Zugang und
Versicherungen, die hier nicht eingerechnet sind. Im ersten Jahr kommt der Willkommensbonus
obendrauf, und dann ist die Rechnung klar positiv.
Monatlich unterwegs, viel Hotel und Mietwagen
Selbstständig, ein bis zwei Reisen im Monat, 60.000 € Jahresumsatz über die Karte. Alle
vier Guthaben werden abgerufen, weil die Gelegenheiten von allein kommen.
Hier stellt sich die Frage anders: Warum hat man sie nicht längst? Der Lounge-Zugang kommt dazu, und wer zwanzigmal im Jahr fliegt, spart damit noch einmal
einen dreistelligen Betrag an Flughafenpreisen.
Nur wegen der Punkte
Jemand, der kaum reist, aber viel über die Karte bezahlt. 36.000 € im Jahr, das
Reiseguthaben wird für eine einzige Buchung genutzt, die anderen drei Guthaben bleiben liegen,
weil die Gelegenheiten fehlen.
Eine Nullnummer. Wer nur Punkte sammeln will, fährt mit einer günstigeren Karte besser, weil
er dort keine 720 € gegen ungenutzte Guthaben rechnen muss. Die Platinum lohnt sich in
diesem Profil ausschließlich im ersten Jahr, wegen des Bonus.
Ein Membership Rewards Punkt ist kein fester Betrag. Im Prämienshop bekommst du oft weniger
als 0,5 Cent, bei einem gut gewählten Business-Class-Flug über 2 Cent. Ich rechne mit 1,5 Cent,
weil das ein Wert ist, den man mit etwas Planung zuverlässig erreicht.
Wer die Punkte im Prämienshop ausgibt, muss alle drei Rechnungen oben durch drei teilen.
Dann lohnt sich die Karte in keinem der Profile.
Das erste Jahr ist eine andere Rechnung
Alle drei Profile oben beschreiben ein normales Jahr. Das erste Jahr sieht anders aus, weil
der Willkommensbonus dazukommt, und er ist größer als alles andere in dieser Rechnung.
Bei der Variante mit Startguthaben sind es bis zu 340 €, die direkt auf
der Abrechnung gutgeschrieben werden. Bei der Punktevariante bis zu 85.000 Membership
Rewards Punkte, die bei meinem vorsichtigen Ansatz von 1,5 Cent rund 1.275 € wert
sind und bei einem gut gewählten Business-Class-Flug deutlich mehr.
Im ersten Jahr rechnet sich die Karte in allen drei Profilen. Genau
deshalb ist das erste Jahr der falsche Maßstab. Entscheidend ist, ob sich das zweite Jahr
rechnet.
Du brauchst 6.000 € Kartenumsatz in den ersten sechs Monaten für die erste Stufe und
insgesamt 10.000 € für die zweite. Wer diesen Umsatz ohnehin hat, bekommt den Bonus
nebenbei. Wer ihn künstlich erzeugt, hat nichts gewonnen.
Dazu kommt: Den Bonus gibt es nur, wenn du in den letzten 18 Monaten vor dem Antrag nicht
Hauptkarteninhaber desselben Kartenprodukts warst. Und eine Kündigung in den ersten zwölf
Monaten lässt den Anspruch rückwirkend entfallen.
Für wen sich die Karte nicht lohnt
Das schreibt keine Seite gern, die an der Karte mitverdient. Ich halte es trotzdem für den
wichtigsten Abschnitt, weil eine falsch gewählte Karte 720 € im Jahr kostet.
Reise- und SIXT-Guthaben setzen Reisen voraus. Ohne sie bleiben von den 650 € noch
250 €, und die Rechnung dreht sich ins Minus.
American Express berechnet 2 % auf jeden Umsatz außerhalb des Euroraums. Bei 5.000 €
im Jahr sind das 100 €, die von jedem Guthaben wieder abgehen.
Drei verschiedene Zyklen, ein Guthaben bei genau einem Händler, ein anderes in acht
Gutscheinen. Wer das nicht verfolgen mag, verschenkt genau den Teil, der die Karte trägt.
Dafür gibt es günstigere Karten im selben Programm. Die Platinum verkauft Reisevorteile, nicht
Sammelgeschwindigkeit.
Rechne selbst nach
Meine drei Profile sind Annahmen. Deine Zahlen kennst du besser, und es sind am Ende nur zwei:
Wie viel Umsatz läuft über die Karte, und welche der vier Guthaben rufst du realistisch ab?
Die Rechnung dauert zwei Minuten:
| Schritt | Was du einsetzt |
|---|---|
| 1. Umsatz schätzen | Was läuft im Jahr über die Karte? Miete, Versicherungen und große Anschaffungen nicht vergessen. |
| 2. Membership Rewards Punkte bewerten | Umsatz mal 1,5 Cent. Wer die Punkte im Prämienshop ausgibt, rechnet mit 0,5 Cent. |
| 3. Guthaben ehrlich ansetzen | Nur, was du wirklich abrufst. Wer nie bei LODENFREY einkauft, setzt dort 0 ein. |
| 4. Gegenrechnen | Summe minus 720 €. Kommt eine Zahl über null heraus, trägt sich die Karte. |
Wer beim dritten Schritt ins Grübeln kommt, hat die Antwort meistens schon. Guthaben, bei
denen man überlegen muss, ob man sie abruft, ruft man am Ende nicht ab.
Für den zweiten Teil habe ich einen kleinen Tracker gebaut, in den du deine Termine einträgst
und der dir zeigt, was noch offen ist:
alle Platinum-Guthaben im Blick
behalten. Er kostet nichts und läuft in deinem Browser.
Die vollständige Aufstellung aller Entgelte, auch der Preise für weitere Zusatzkarten und der
Kosten bei Zahlungsverzug, steht im Beitrag
Was die Amex Platinum wirklich
kostet.
Die Alternative, wenn es nicht passt
Wenn deine Rechnung ins Minus läuft, ist die naheliegende Alternative die Amex Gold Card. Sie
kostet deutlich weniger im Jahr, sammelt auf dasselbe Membership Rewards Konto und hat ebenfalls
Guthaben, allerdings ohne Lounge-Zugang und ohne Hotelstatus. Welche Karte zu welchem
Reiseverhalten passt, habe ich im
Vergleich
der Reisekreditkarten gegenübergestellt.
Der zweite Weg ist, die Platinum ein Jahr zu nehmen, den Willkommensbonus mitzunehmen und
danach ehrlich zu prüfen, ob du die Guthaben wirklich abgerufen hast. Ein Wechsel auf eine
kleinere Karte ist jederzeit möglich. Achte nur darauf, dass eine Kündigung innerhalb der ersten
zwölf Monate den Anspruch auf den Bonus rückwirkend kostet.
Häufige Fragen
Ab wann lohnt sich die Amex Platinum?
Unterhalb davon bleiben von den 650 € Guthaben nur Restaurant und LODENFREY übrig, und die
tragen die 720 € allein nicht.
Lohnt sich die Karte auch ohne Geschäftsreisen?
Entscheidend ist, ob du überhaupt Reisen buchst, nicht aus welchem Anlass.
Was ist die Karte wert, wenn ich die Punkte nie einlöse?
70 € plus die Vorteile, die sich nicht beziffern lassen. Punkte, die liegenbleiben, sind
kein Gegenwert.
Lohnt sich die Platinum gegenüber einer kostenlosen Kreditkarte?
Platinum kostet 720 € und bringt 650 € zurück, dazu Lounge und Versicherungen. Der
Unterschied ist also nicht der Preis, sondern ob du die Leistungen benutzt.
Kann ich die Karte nach einem Jahr wieder kündigen?
Wichtig: Eine Kündigung innerhalb der ersten zwölf Monate lässt den Anspruch auf den
Willkommensbonus rückwirkend entfallen.
Mein Fazit
Die Amex Platinum ist keine Karte, die sich durch Besitz rechnet. Sie rechnet sich durch
Benutzung, und der Unterschied zwischen beidem sind 650 € im Jahr.
Bei zwei Reisen im Jahr trägt sie sich knapp, bei monatlichen Reisen deutlich, und wer nur
Punkte sammeln will, ist mit einer kleineren Karte besser bedient. Das Einzige, was ich nicht
empfehle, ist die Karte zu nehmen und dann die Fristen der vier Guthaben zu ignorieren. Dann
zahlst du 720 € für etwas, das du nicht abholst.
720 € im Jahr, 650 € Guthaben zurück
- 650 € feste Guthaben pro Jahr, wenn du sie abrufst
- Willkommensbonus bis zu 340 € Startguthaben oder bis zu 85.000 Membership Rewards Punkte
- Zugang zu über 1.550 Flughafenlounges
- Eine Platinum Zusatzkarte und bis zu vier weitere Karten ohne Aufpreis
Zur Amex Platinum Card →
Anzeige. Wenn du über diesen Link abschließt, erhalte ich eine Provision.
Stand: 14. September 2026. Entgelte aus dem Preis- und
Leistungsverzeichnis der American Express Platinum Card, Guthaben und Bonushöhe von den
offiziellen Amex-Seiten. Die drei Profile sind Beispielrechnungen mit angenommenen Umsätzen,
keine Zusage. Angaben ohne Gewähr.


